Sturzprävention / Sturzprophylaxe: Stürze im Alter vermeiden

Senior ist hingestürzt
Wie kann man Stürze im Alter vorbeugen? -Foto: © Andrey Popov - stock.adobe.com

In diesem Artikel erklärt eine Ärztin warum Stürze im Alter schlimme Folgen haben können und welche Maßnahmen zur Sturzprävention man ergreifen kann.

Tipps zur Sturzprophylaxe für Senioren

Stürze sind eine nicht unerhebliche Gefahr für ältere Erwachsene. Gerade mit Fortschreiten des Alters steigt das Risiko eines Sturzes und auch das Risiko sich bei einem Sturz zu verletzen. Deshalb ist es wichtig, dass sich Senioren, aber auch Angehörige und Pflegepersonal, mit dem Thema Sturzprophylaxe für Senioren auseinandersetzen. Viele Sturzereignisse hätten durch eine Sturzprophylaxe vermieden werden können.

Maßnahmen zur Sturzprävention

Das Sturzrisiko kann allen voran durch geingnete Präventionsmaßnahmen und durch ein frühes Risikoassessment reduziert werden. So zeigten sich Trainingsprogramme zur Erhöhung von Kraft und Balance sowie die Überprüfung der Sehkraft, ein geeignetes Schuhwerk und mögliche Gehhilfen als förderlich.
Zudem sollten Sie eine Anpassung Ihrer häuslichen Umgebung, sowie verhaltensbezogene Maßnahmen in Erwägung ziehen und den Medikamentenplan auf sturzassoziierte Medikamente prüfen lassen.
Handgriffe und Rutschmatten sollten in Ihrem Badezimmer stets vorhanden sein. Außerdem kann das Tragen von Hüftprotektoren das Risiko von Hüftfrakturen und hüftnahen Oberschenkelfrakturen deutlich reduzieren, sodass Sie dies bei Gangunsicherheiten oder generellen Bedenken in Erwägung ziehen sollten.
Bei entsprechender Indikationsstellung durch den behandelnden Hausarzt kann ebenfalls eine Substitution von Kalzium, Vitamin D und/oder Bisphosphonaten notwendig werden. Diese Substanzen sind für einen gesunden Knochen essenziell, allerdings gerade bei älteren Erwachsenen sind diese oft nicht ausreichend vorhanden, sodass sie verabreicht werden sollten, um das Verletzungsrisiko bei einem Sturz zu verringern.

Wichtige Punkte in der Sturzprävention für Senioren

Hier haben wir für Sie nochmal die wichtigsten Punkte in Sachen Sturzprävention zusammengefasst:

  • Stolperfallen beseitigen (Kabel, Läufer)
  • Sorgen Sie für einen rutschfesten Boden. Markieren Sie ggf. hohe Türschwellen oder Stufen.
  • Lassen Sie nichts im Weg stehen. (Achten Sie auch auf z.B. Spielzeug der Enkelkinder!)
  • Für gute Beleuchtung in der Wohnung sorgen. Nicht zu dunkel, das Licht darf aber auch nicht blenden!
    Verwenden Sie ein Nachtlicht oder Bewegungssensoren, wenn Sie nachts zur Toilette müssen.
  • Brille tragen. - Lassen Sie regelmässig die Sehkraft überprüfen und passen Sie die Brillenstärke an.
  • Wenn Sie ein Hörgerät benötigen - nutzen Sie das auch. Auch gutes Hören kann vor Stürzen schützen.
    (Sie hören z.B. wenn hinter Ihnen jemand kommt und erschrecken sich nicht!)
  • angemessenes Schuhwerk tragen
    (geschlossene Schuhe mit niedrigen Absätzen und griffigen Sohlen)
  • vorhandene Gehhilfen benutzen (Zum Beispiel den Rollator.)
  • Lassen Sie ggf. das Bad barrierefrei umbauen. (Stufenlose Dusche, Wannenlift, rutschfester Untergrund)
    Lesen Sie dazu auch unseren Artikel: Altersgerechtes Badezimmer
  • Treppen mit Handläufen ausstatten
  • Medikamentös vom Arzt gut eingestellt? (Schwindel als Nebenwirkung von Medikamenten)
  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Wege.
  • Gehen Sie bewusst und aufmerksam
  • Trinken Sie ausreichend
    (Richtiges Verhalten bei großer Hitze)
  • Langsam aufstehen. (Besonders morgens und nachts aus dem Bett. Bleiben Sie einige Minuten auf dem Bett sitzen, bevor Sie los laufen.)
  • Sorgen Sie in der ganzen Wohnung für Sitzgelegenheiten zum Ausruhen. Zum Beispiel in der Küche, im Bad, im Flur und auch im Treppenhaus, wenn möglich!
  • Machen Sie Übungen zur Schulung des Gleichgewichtssinns.
  • Bewegen Sie sich regelmässig. Machen Sie (unter Anleitung) Seniorensport.
  • Lassen Sie sich auch von Ihrem Arzt oder auch Ihrer Krankenkasse zum Thema Sturzprophylaxe und barrierefreies Wohnen beraten.

Allgemeine Fakten

Es wird angenommen, dass ca. 40 % der 80-Jährigen einmal im Jahr stürzen. Mit zunehmendem Alter und Gebrechlichkeit steigt das Sturzrisiko weiter an. Frauen stürzen übrigens häufiger als Männer. Vor allem Pflegeheimbewohner haben ein besonders hohes Sturzrisiko.
Neben hohen unmittelbaren medizinischen Kosten und langfristigen Pflegekosten führen die Stürze vor allem im höheren Alter zu deutlichen Einbußen der Lebensqualität bei den Betroffenen. Internationale Studien konnten zeigen, dass etwa 10 % der Stürze behandlungsbedürftige Verletzungen verursachen, etwa 5 % zu Knochenbrüchen und 2 % zu Hüftfrakturen führen. Rund die Hälfte der Betroffenen erlangen ihre ursprüngliche Beweglichkeit nicht zurück. Kaum ein gesundheitliches Ereignis im Alter ist so mit steigender Gebrechlichkeit und Immobilisierung verbunden, wie ein Bruch nach einem Sturzereignis, weil dieses Ereignis so oft zu Hilfs- und Pflegebedürftigkeit führt.
Die Sturzvermeidung gehört also mit zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen im Alter.

Im Alter steigt das Risiko sich bei Stürzen zu verletzen

Im Alter steigt nicht nur das Sturzrisiko (Aufgrund von z. B. Gangunsicherheiten, Schwindel, Sehschwäche), sondern auch die Gefahr sich bei einem Sturz ernsthaft zu verletzen rasant an, da sich die Knochenzusammensetzung mit zunehmendem Lebensalter verändert. Aufgrund der abnehmenden Knochendichte, die zu Stabilitätseinbußen führt, kann es schneller zu Knochen- oder Sinterungsbrüchen kommen. Allen voran die Osteoporoseneigung und die Abnahme der Muskelmasse im Alter begünstigen Knochenbrüche. So muss das Sturzereignis nicht dramatisch aussehen, um eine Knochenfraktur herbeizuführen. Bei Brüchen kommt es meist notgedrungen zu einem operativen Eingriff, der einen langen Krankenhausaufenthalt und ggf. Folgeprobleme mit sich führen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass der Muskelabbau sich bei älteren Menschen häufig verstärkt, wenn es bereits in der Vorgeschichte zu Stürzen gekommen ist. Dies führt zu einer Unsicherheit bei den Betroffenen, die wiederum einen Bewegungsmangel mit sich führt, was abermals Muskelabbau bedingt. Infolgedessen steigt das Sturzrisiko wiederum. Dies kann als "Sturzspirale" bezeichnet werden. Außerdem leiden viele ältere Menschen mit dem Alter zunehmend unter Gleichgewichts- und Gangstörungen. Ihnen ist häufiger schwindelig.

Risikofaktoren für Stürze im Alter

Im Folgenden möchten wir Ihnen die häufigsten Sturzgründe und Risikofaktoren erläutern. Es werden umgebungsbedingte, körperbedingte und durch Ärzte verursachte sturzassoziierte Merkmale unterschieden.

Zu den umgebungsbedingten Merkmalen gehören unter anderem eine mangelhafte Beleuchtung des Wohnortes, ein falscher Bodenbelag, Stolperschwellen, fehlende Handläufe und Rutschmatten im Bad sowie ungeeignetes Schuhwerk. (So gestalten Sie ein altersgerechtes Badezimmer)

Körperbedingte Merkmale beinhalten eine positive Sturzanamnese, Gleichgewichts- und Gangstörungen, Kraft- und Visusdefizite und sturzassoziierte Erkrankungen wie Morbus Parkinson, demenzielle Erkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, COPD, Arthrose und Diabetes mellitus. Zudem sind ein höheres Alter und das weibliche Geschlecht weitere endogene Risikofaktoren.

Durch Ärzte verursachte Merkmale sind unter anderem die Einnahme von sturzassoziierten Medikamenten wie Beruhigungsmittel (Benzodiazepine, Sedativa), Psychopharmaka (Neuroleptika), Medikamente zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika, Digoxin) oder Diuretika.

Sollten Sie oder einer Ihrer Angehörigen sich in den eigenen vier Wänden zunehmend unsicher fühlen, sollten die oben genannten Risikofaktoren abgeklärt werden und gegebenenfalls mit den empfohlenen Maßnahmen dagegen gesteuert werden, um das Risiko eines Sturzereignisses zu minimieren.
Wenn doch mal etwas passieren sollte können Sie mit einem Hausnotruf schnell Hilfe holen!
Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Krankenkasse beraten!
Text: R. M. (Ärztin) / Stand: 20.04.2019
[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat Ihres behandelden Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

Gesundheitstipps für Senioren: