Der neue Pflege-TÜV: Darum geht es

Bessere Pflege in Deutschland

In einem Pflegeheim
Gute Betreuung im Seniorenheim. / Foto: © New Africa - stock.adobe. com

Bei der Bewertung von Pflegeheimen konnten Verbraucher bislang nicht auf klare Antworten und Stellungnahmen hoffen. Meist fiel die Benotung flächendeckend sehr gut aus, was für nachvollziehbare Zweifel vieler Patienten und deren Familien an der Glaubwürdigkeit sorgte. Der nun neu eingeführte Pflege-TÜV soll damit jedoch Schluss machen. Was das für Heime und Verbraucher bedeutet.

Mehr Aussagekraft dank neuem System

Wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bekanntgab, soll der neue Pflege-TÜV nicht ausschließlich Theorie und Dokumentation prüfen, sondern auch nach dem praktischen und tatsächlichen Wohlbefinden Pflegebedürftiger fragen. Die Umsetzung obliegt dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Er muss Mitarbeiter in Pflegeheime entsenden, um die dortige Versorgungsqualität zu überprüfen. Zu den Aufgaben vor Ort gehören

  • Gespräche mit Bewohnern der Heime
  • Kontrolle der bestehenden Pflegezustände
  • und Gespräche mit Pflegekräften.

Auch müssen Pflegeheime nun interne Qualitätsdaten erfassen, sich also durch Befragung und Prüfung ihrer Pflegepatienten selbst unter die Lupe nehmen. Eine erste derartige Prüfung soll bis 30. Juni kommenden Jahres vorgenommen werden. ( Lesen Sie auch: Wie finde ich das richtige Pflegeheim?

Welche Fragen der neue TÜV beantworten soll

Auf der Suche nach einem geeigneten Pflegeheim stellen sich Familien oft ganz ähnliche Fragen. Diese beschäftigen sich vorranging mit dem Wohlbefinden der Pflegebedürftigen und sollen im Rahmen der neuen TÜV-Untersuchungen berücksichtigt werden. Aspekte wie

  • Ernährung
  • Körperhygiene
  • Wundmanagement
  • Unterstützung von Mobilität
  • oder auch präventive Maßnahmen gegen Dekubitus

fließen in die Bewertung ein. Die gesammelten Informationen senden die MDK Mitarbeiter dann an eine Kontrollstelle, die sich durch Unabhängigkeit auszeichnet. Dort erfolgt eine Auswertung der Informationen und ein Vergleich mit allen Pflegeeinrichtungen der Bundesrepublik, um eine aussagekräftige Bewertung realisieren zu können. Auch die Daten aus der internen Prüfung seitens der Heime selbst fließen ein.
Schon 2020 sollen Verbraucher Ergebnisse einsehen können. Sie erhalten dann nicht nur eine Note zur Ansicht, sondern können sich detaillierter über einzelne Bereiche informieren und sich so ein realistisches Bild machen können. ( Infos zu den Kosten für einen Platz im Pflegeheim )

Nicht alle sind begeistert

Während Jens Spahn, der MDK und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung sehr optimistisch in die Zukunft blicken, werden auch kritischere Stimmen laut. Zu den Befürchtungen in Bezug auf das neue System gehören eine verstärkte Bürokratisierung und trotz der detaillierten Beurteilung mangelhafter Überblick für den Verbraucher. Da Noten und Ausfallkriterien nicht Bestandteil des neuen Pflege-TÜV sind, könnte dies Vergleiche deutlich komplizierter gestalten.
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